Was die Presse schreibt

Kölnische Rundschau
Vier kräftige Bonner Stimmen in Berlin
VON JÖRG GIESE, 26.10.07, 07:18h
BONN / BERLIN. Kaum hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die Bonner Autoren begrüßt, die am Mittwoch in der NRW-Landesvertretung Berlin aus ihren Werken lasen, da war er schon wieder auf dem Sprung. Wenn Politiker behaupten, sie wären gerne noch geblieben, sind das meistens Höflichkeitsfloskeln. Als Lammert aber mit Leidensmiene erklärte, er müsse jetzt noch zum "Berichterstattergespräch der Haushälter zum Etat des Deutschen Bundestages", vermittelte er tatsächlich glaubhaft, dass er diese "Lesung" gerne geschwänzt hätte und lieber in der Landesvertretung geblieben wäre, um den Bonner Schriftstellern zuzuhören.
Initiiert wurde die Veranstaltung von Monika Lamers, der Ehefrau des früheren außenpolitischen Sprechers der CDU, Karl Lamers. Sie und ihre Kollegen von der Bonner Sektion des Verbandes Deutscher Schriftsteller waren es leid, immer nur in ihrer Heimatstadt zu lesen. "Die können uns doch schon nicht mehr sehen", scherzte Lamers. Über Ministerpräsident Jürgen Rüttgers kam der Kontakt zur Landesvertretung zustande, und so konnten schließlich neben Lamers noch ihre Kollegen Ludwig Verbeek, Wolfgang Kubin und Doris Distelmaier-Haas an die Spree reisen.
Zunächst las Distelmaier-Haas aus ihrer Erzählung "Schneewittchen". Darin resümiert eine Frau die wachsende Entfremdung zwischen ihr und dem in Russland weilenden Liebhaber. Der Titel bezieht sich auf ihr Auto, das sie "Schneewittchen" genannt hat. Als sie dem Mann nach Leningrad folgt, muss sie einsehen, dass die Nähe, die sie früher während der gemeinsamen Autofahrt wie die "Enge eines Walzers" erlebt hat, für immer verloren ist.
Moderatorin Friederike Wappenschmidt war bemüht, die Autoren möglichst originell einzuführen, und leistete sich dabei einige stilistische Schnitzer. Den Sinologen Wolfgang Kubin stellte sie zu dessen großer Verwunderung als "Frauenliebhaber" vor. Er sei doch eher ein Mönch, verwahrte sich Kubin mit strengem Blick. "Aber ich schätze deinen Humor, Friederike", beruhigte er die verunsichert dreinblickende Moderatorin.
Dann las er "Die Geschichte eines Todes", in der ein Mann seine selbstquälerische Zurückhaltung auch dann nicht aufgibt, als die von ihm geliebte Frau im Drogensumpf untergeht. Kubins klug komponierte Erzählung ist durchzogen von einer Strenge, die seine Figuren auf Abstand hält. Zahlreiche Anspielungen verweisen auf den Sprachkritiker Wittgenstein, von dem der berühmte Satz stammt, "wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen". Dem widersprach prompt der Lyriker Ludwig Verbeek. Literatur müsse sich zu allen Themen äußern, auch auf die Gefahr des Scheiterns hin.
Verbeek ist ein fröhlicher Kulturkritiker. So reimt er in einem Gedicht über das umstrittene neue Fenster des Kölner Doms "Lichtiges" auf "Nichtiges", spottet über die "Selektion des Zufalls" in der abstrakten Gestaltung und schließt: "Wenn Gott nicht würfelt, tuts der Teufel." Sein Lieblingsthema ist die Verhunzung der deutschen Sprache. Er wird innerlich gebebt haben, als Friederike Wappenschmidt nach ihm Monika Lamers mit den Worten "last but not least" ans Pult bat.
Ihr Auftritt war der stille Höhepunkt des Abends. Auch wenn aus privaten Gründen schon lange kein Text von ihr erschienen ist, hat sie nie aufgehört zu schreiben. Die Auszüge aus einem unveröffentlichten Roman klangen äußerst vielversprechend. Wirklichkeitssatte Prosa über einen Mann in der Midlife-Crisis, geschrieben in der Ich-Form, mit starken Bildern und kühnen Zeitsprüngen. Es waren vier kräftige Stimmen, denen das aufmerksame Publikum zwei Stunden konzentriert folgte.
Süddeutsche Zeitung am 02.07.2007
sz vom 02.07.2007
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Bonner General-Anzeiger 19.06.2007
Bücher sind Gärten der Worte

Bonner Autoren verwandeln sich im Mittelmeerhaus in Nymphe, Venus und Prometheus
Von Christian Fuchs
Bonn. Schon als der Kölner Kurfürst noch in Bonn residierte, befanden sich Gärten an der Stelle, wo heute die Botanischen Gärten liegen. Die Hofgesellschaft der Frühen Neuzeit traf sich dort zu Abenden, an denen die Vortragenden die Rollen von symbolträchtigen Gartenfiguren übernahmen, welche die Gärten schmückten.
Anknüpfend an diese Tradition veranstaltete der Freundeskreis Botanische Gärten der Universität Bonn jetzt eine Autorenlesung mit dem Thema "Bücher sind Gärten der Worte" im Mittelmeerhaus der Botanischen Gärten. Die Moderation übernahm Friederike Wappenschmidt die, gemäß der Tradition, jeden Autor als eine Gartenfigur vorstellte.

Hildegard Moos-Heindrichs ist die Quellnymphe, weil sie in einer alten Wassermühle lebt. Sie liest Gedichte unter dem Titel "Sumpf und Wasserpflanzen" vor. Darin schildert sie humorvoll, wie sich die Pflanzen in einem Sumpf über das Jahr entwickeln. Mit singender Stimme erzählt sie von Schlangenwurz und Blumenkresse, und Algen sind für sie Nymphenhaar.

Lili Stollowski ist von Beruf Hebamme und dementsprechend an diesem Abend Demeter, die Göttin der Fruchtbarkeit. Sie widmet sich dem Pantoffeltierchen und berichtet augenzwinkernd, welche Gefahren dem neugeborenen Einzeller in seiner Pfütze drohen. Ein durstiger Hund, der das Pantoffeltierchen mitsamt Wasser in seinen Bauch befördert, ist dabei erst der Anfang der Verwicklungen.

Um den Zauber eines persischen Innenhofs geht es bei Ingrid Stoll, der Felsnymphe Echo. Ihre Worte gleichen einer warmen Sommerbrise, wenn sie schildert, wie eine junge persische Frau über Liebe und Freiheit nachdenkt. Wolfgang Kubin, an diesem Abend kein Geringerer als Prometheus, erzählt in "Halbzeit der Liebe" von einer Reise nach China.

Er schildert das Schicksal eines alten Sommerpalastes, der von Italienern erbaut, von Briten und Franzosen zerstört und von Japanern geplündert wird. Doris Distelmaier-Haas als Venus, führt den Zuhörer in ihrer Erzählung durch die Räume einer Blumenfabrik. Stichpunktartig und hektisch beschreibt sie die Vielzahl von Eindrücken, die auf die Besucherin der Fabrik einwirken.

Angelehnt an eines seiner Gedichte, tritt Ludwig Verbeek als Windgott Zephyr auf. Bei ihm geht es, ganz aktuell, um den Klimawandel. In tragikomischem Tonfall fragt er sich, ob Kondensstreifen dem Klimawandel nützen und warum Schlehen heute nicht mehr süß schmecken.

Monika Lamers, die Gartengöttin Minerva, erinnert sich an "Onkel Bens Garten". Für den Onkel ist der Garten der einzige Ort, an dem er der Tyrannei der Welt entfliehen kann. Zum Abschluss entführt der Schmuckeremit Jürgen August Alt die Zuschauer in seiner Zaubershow in den Garten der Magie.

Generalanzeiger Bonn, 27.01.2007

Lili Stollowsky macht Alleinerziehenden Mut

Die Bonner Autorin liest im Himmeroder Hof in Rheinbach aus ihrem Buch "Single-Mama"
Von Johanna Schmid
Rheinbach.
Allein - schon das bloße Wort hat einen negativen Beigeschmack, klingt nach einsam und traurig. Kein Wunder also, dass Alleinerziehenden in unserer Gesellschaft Skepsis oder Mitleid entgegengebracht wird? Für die Bonner Autorin Lili Stollowsky ist deshalb eines klar: Der defizitäre Titel muss durch einen Neuen ersetzt werden. "Single Mama" schlägt die 53-Jährige vor.
Single-Mama heißt deshalb auch ihr drittes Buch, das 2006 im Knaur-Verlag erschienen ist. Im Himmeroder Hof in Rheinbach las die 53-Jährige aus diesem Mutmach-Buch für Single-Mütter und erzählte vom "ganz normalen Wahnsinn" zwischen Kindern und Beruf.
Auf Einladung der Rheinbacher Gleichstellungsbeauftragten Mechthild Schneider schilderte die gebürtige Frankfurterin ganz persönliche Erfahrungen als alleinerziehende Mutter. "Ich war ärgerlich, dass mein Mann mich zu Hause installiert hatte, um selbst Karriere zu machen", erinnert sie sich.
Im Buch verknüpft sie statistische Fakten über die ungleiche Arbeitsverteilung im deutschen Durchschnittshaushalt mit persönlichen Anekdoten und bissigen, ironischen Kommentaren zu Männern im Allgemeinen. "Viele Frauen haben weder Lust noch Zeit, ihren Männern alles hinterher zutragen", kommentiert die Wahl-Bonnerin die durch Studien belegte, ungleiche Aufteilung.
Nachdem weder Jammern noch Appellieren half, habe sie sich getrennt und die dreijährige Tochter und ihren Sohn alleine groß gezogen. Neben der Kindererziehung besuchte Lili Stollowsky das Abendgymnasium und arbeitete dann als Hebamme. Gelebt habe sie immer zwischen Kochen, Elternsprechtag, Buchhaltung und Kontoauszügen - "zwischen Kindern, Küche und Knete".
Rund drei Millionen Mütter oder Väter erziehen in Deutschland ihre Kinder alleine und managen den Spagat zwischen Erziehung und Beruf. Auch in Rheinbach leben zahlreiche Alleinerziehende, denen die Rheinbacher Gleichstellungsbeauftragte Mechthild Schneider helfen will. Einmal im Monat bietet Schneider ein Treffen an, um den Single-Mamas und -Papas die Möglichkeit zu geben, sich auszutauschen, rechtliche Informationen zu bekommen oder einfach Spaß zu haben.
"Es ist meine Absicht, dass sich ein solcher Treff für Alleinerziehende etabliert", erklärt Schneider. Es sei ein großes Bedürfnis da sich auszutauschen.
Und genau diese Möglichkeit bot auch die Lesung. Dabei sparte Stollowsky auch unerfreulichere Erfahrungen über die weit verbreitete Meinung der Bevölkerung über Alleinerziehende nicht aus: "Ganz egal, wie selbstbewusst man ist, es verunsichert, wenn man von anderen ständig gesagt bekommt, aus den Kindern von Alleinerziehenden kann nichts werden."
Deshalb setzt die moderne Single-Mama dem Vorurteil der sonderbaren, einsamen Alleinerziehenden, die mit gestörten Kindern in der grauen Sozialwohnung lebt, das Bild der Single-Mama entgegen, die stolz auf ihren Nachwuchs ist und im Mittelpunkt jeder Party steht. "Entweder man wird wegen der Vorurteile traurig oder wütend", sagt die Hessin. Ihr habe es geholfen, ein Buch zu schreiben. "Ich habe das bisher nicht so negativ erlebt", hält eine 44-jährige Meckenheimerin dagegen, die ihre Tochter alleine erzieht.
"Haben Sie dabei auch ein Kapitel über Pubertät geschrieben?" fragt eine junge Frau. "Ich habe zwei Töchter, und die sind momentan sehr schwierig", fügt sie hinzu. Lili Stollowsky nickt und blättert. Und dann beginnt sie zu lesen - über das ganz normale Chaos mit pubertierenden Kindern.

Generalanzeiger Bonn, 25.11.2006

Die Nackte und der Skeptiker

LESUNG Der Bonner Autor Wolfgang Kubin stellt seine Erzählung "Halbzeit einer Liebe" im Buchladen 46 vor

Von Karsten W.N. Kurze

Als Sinologe genießt der Bonner Professor Wolfgang Kubin Weltruhm. Als Autor von Prosa und Lyrik hat er sich überdies einen Namen gemacht. Dank der Edition Milo des Wiener Verlags Johann Lehner hat es nun seine 2002 entstandene Erzählung "Halbzeit einer Liebe" in den Druck geschafft, und müde, aber glücklich konnte er im Buchladen 46 das Werk präsentieren.
Wolfgang Kubin
Weshalb die meisten Verlage von dem Buch Abstand nahmen, konnte man sich während der Lesung denken.
Kubin hat einen intellektuellen, beinahe verkopften Stil, bei dem es hilfreich ist, wenn der Leser auf einen großen Kanon bekannter westlicher und östlicher Philosophen zurückgreifen kann. Jeder Satz, so Kubin, sei eine Anspielung auf einen Gedanken der europäischen oder chinesischen Geistesgeschichte.
Insbesondere Hegel findet im namenslosen Ich-Erzähler einen traurigen Wiedergänger seines Prinzips vom unglücklichen Bewusstsein. Auf einer Feier in Wien lernt er wenig später eine undurchsichtige Chinesin kennen, die seine große Traurigkeit erkennt. In Hongkong begegnet er ihr wieder. Zunächst in einer Galerie, beim zweiten Mal in der peinlichen Situation, dass ein Gremium, dem er angehört, nach japanischer Sitte von einer nackten Frau speisen möchte.

Die Nackte stellt sich bald als dieselbe Frau heraus, die er durch das Essen des letzten Bisses gewinnt. Am folgenden Tag bringt sie ihn nach Macao, wo es zur Vereinigung der zwei kommt. Auffällig ist, wie abgeneigt der Protagonist dem gesamten Geschehen gegenüber zu sein scheint. In Kubins unaufgeregtem Lesestil fand sich eine Skepsis, die im Charakter schon fast Gefühlskälte vermuten lässt.

Der Erzähler kann sich nicht öffnen und nicht zu sich selbst finden, und selbst der Leser, der seine Welt schon durch seine Augen sieht, findet kaum in ihn hinein. Oberflächlich betrachtet. Unter der Oberfläche findet man eine komplexe Auseinandersetzung mit dem Selbst, die Kubin in seinen Kommentaren nur andeuten konnte.

Nicht nur Philosophen, auch zahlreiche musikalische Themen zum Beispiel Zeilen aus Wagners "Lohengrin" seien verarbeitet. Auch blitzen zwischen den Zeilen zuweilen Gefühlsregungen auf, die der Charakter wahrscheinlich in sich selbst abgelehnt hätte. Die mehrfache Umschreibung, er fühle sich von der Fremden "wie ein Kind" behandelt, spricht Bände, und gelegentlich ist sogar lakonischer Wortwitz erlaubt: "Gut gelaunt forderten sie mich zur zweiten Niederlage auf." Nur wer die Erzählung Satz für Satz interpretiere, so Kubin, könne ihn gänzlich verstehen. Dafür reichte eine einzelne Lesung natürlich nicht aus

Die Rheinzeitung vom 27.06.2006:
Autoren ließen ihre Gedanken zum Wasser fließen

URMERSBACH. Als das Künstlerpaar Hildegard Moos-Heindrichs und Helmut Moos vor 31 Jahren die Obermühle bei Urmersbach zum ersten Mal sah, damals noch eine Ruine, stellten die beiden sich vor, dass sich hier einmal wieder ein Mühlrad drehen sollte. Sie waren von dem Gedanken an das Wasser so bewegt dass sie die alte Mühle wieder aufbauten. Das Mühlrad gibt es seit einem Jahr. Mit dieser kleinen Geschichte begrüßte der Bildhauer Helmut Moos die Gäste im Mühlenraum und führte so zum Thema einer außergewöhnlichen Lesung am außergewöhnlichen Ort: „Vom Wasser bewegt"
Bild aus der Rheinzeitung Der Hausherrin Hildegard Moos-Heindrichs' Begrüßung war ein Gedicht über das Wasser, dem sie Reflexionen über das lebensnotwendige Element folgen ließ. Etwa 34 Mal im Jahr wird Wasser zu Dampf, Schnee und Eis und wieder zu Wasser. Das gesamte Leben auf der Erde hat an diesem Kreislauf teil. Wasser verfügt über Form gebende Kräfte. Es gräbt, mahlt, schleift, höhlt aus, hinterlässt Strukturen. Auch der menschliche Geist wird vom Wasser bewegt. „Das Wasser ist schlechthin die Metapher für intellektuelle Regsamkeit", erläuterte die Schriftstellerin und erinnerte an den Fluss der Gedanken, den Redefluss und fließende Assoziationen.
Sieben Autoren hatten Texte zum und über Wasser geschrieben. Sie sind Mitglieder des Verbands Deutscher Schriftsteller Nordrhein-Westfalen Süd und waren vom Ort ihrer Lesung begeistert. Professor Dr. Wolfgang Kubin von der Uni Bonn stellte die Teilnehmenden vor und verknüpfte ihre Texte durch kluge und humorvolle Aperçus. Die Journalistin und Verfasserin vor allem satirischer Texte, Peggy Wehmeier, las ihre „bewegende",  preisgekrönte Erzählung „Der stumme Tölpel", eine Parabel über die Opposition und die Einheit von Leben und Tod. Helmut Schmelmers poetische Prosa „Ufergang" fing die Stimmung am See auf subtile Weise ein. Die Gedichte von Ludwig Verbeek, unter „Demut und Destillation" zusammengefasst, nahmen gefangen durch ihren Sprachrhythmus und ihre philosophisch gefärbten Metaphern.
 Hildegard Moos-Heindrichs ließ den Bach in einem bearbeiteten Text ihres Buches „Das Mühlrad ist zerbrochen" zu Wort kommen und über „Wassermanns Töchter" erzählen. Sie sei eine „Wasserfrau", bekannte Doris Distelmaier-Haas, Schriftstellerin und bildende Künstlerin, und führte mit ihren filigranen Gedichten ans Ende der Welt, „finis terrae " Finstère in der Bretagne. Einem anderen Genre wendete sich Friederike Wappenschmidt, Kunst- und Kulturwissenschaftlerin, zu: dem Essay. „Aus dem Zwielicht der Fluten" ließ sie die Gestalten der griechischen Mythologie auftauchen und stellte die Verbindungen von altgriechischer Mythologie und Tiefenpsychologie her. Wolfgang Kubin führte mit seinen von der chinesischen Landschaft angeregten Gedichten wie „Perlen auf einem Jadeteller" die Lesung zum Ausklang.
„Vom Wasser bewegt“ schloss sich der   literarische Kreislauf. Die vom Wasser getragene Bewegung durch Sprache ließ die Zuhörer sich noch lange neben dem Mühlrad der Obermühle mit den Autoren austauschen. (ua)

Der Kölner Stadtanzeiger in seiner Regionalausgabe Euskirchen am 08. Mai 2006:
"Gedichte in Erhardt'scher Qualität
VON THOMAS SCHMITZ
Passender hätte das Ambiente nicht sein können, als das der Schelterhalle mit ihren langen Maschinen im Rheinischen Industriemuseum Kuchen heim. Denn Hildegard Moos-Heindrichs' heitere Gedichte waren in Rubriken wie „Weben und leben", „Nadel und Faden" und „Knopfgedichte" unterteilt und somit wie gschaffen für einen Vortrag in einer ehemaligen Tuchfabrik.
Frau Moos-Heindrichs trug aber nicht alleine Gedichte vor. Der Förderverein des Industriemuseums unter Leitung von Hans Bösch hatte für die Autorenrunde „Gespräch & Rezitation" auch Ludwig Verbeek eingeladen. Durch die Veranstaltung führte Manfred Lang als Moderator.
„Hildegard Moos-Heindrichs Gedichte sind voll von präzisen Beobachtungen und besitzen fast schon Züge Heinz Erhardt'scher Qualität", kündigte Lang die Autorin an, die in der Eifel lebt. Zu viel versprochen hatte er nicht, denn ihre Verse strotzten nur so vor feinem Humor. Alltägliche Dinge bekommen darin menschliche Züge. Wie etwa das Nachthemd, das auf der Wäscheleine flattert und dem der Wind Leben einhaucht.
Ludwig Verbeek las in Euskirchen Moos-Heindrichs überzeugte nicht nur mit ihren Versen, sondern vor allen Dingen mit der Art und Weise, wie sie diese vorzutragen wusste. Das Gedicht „Zugeknöpfter Klerus" betete sie mit tiefer Stimme herunter, als handle es sich um eine Litanei. In „Ich kriege die Motten" hingegen zeigte sie kindliche Freude über die Tatsache, dass die possierlichen Tierchen die Einsamkeit beendeten, die durch den Auszug ihrer Kinder entstanden war. „Endlich wieder jemand, um den man sich kümmern kann", juchzte sie. Das Älterwerden beleuchtete sie in „Der Knieschutz". Das titelgebende Kleidungsstück, das hauptsächlich von Kindern getragen wird, muss später im Leben durch den Nieren- oder Ohrenschutz ersetzt werden.
Mit Worten spielte auch Ludwig Verbeek, den eine Rezensentin einst als den „Orpheus von Bonn" bezeichnete. Gleich am Anfang widmete er sich – passend zum WM-Jahr – dem runden Leder. Mit dem Gedicht „Fußball einsilbig" bewies er, dass man der Dramatik eines Fußballspiels auch mit wenigen, ausschließlich einsilbigen Wörtern beikommen kann. Doch Verbeeks Texte , bestachen ansonsten eher durch Tiefsinn als durch Humor. Geschickt spielte er mit den Worten. Gleich mehrmals widmete er sich der Natur, die sich trotz aller Behinderungen und Eingriffe gegen den Menschen durchsetzen kann. Ein Horrorszenario malte er in seinem Gedicht "Der Golfstrom" aus, durch dessen Versiegen eine neue Eiszeit hereinbricht. Doch Verbeek machte auch Hoffnung, schließlich seien die Menschen ja Eiszeit-erprobt.. "Wir überleben", ließ er die fast 50 Zuschauer im Industriemuseum wissen."

Die Kölnische Rundschau schrieb am 08.05.2006:
 Eine einsilbige Fußball-WM
Bei der Autorenrunde im Tuchmuseum Kuchenheim gab es zeitgenössische Lyrik, die hintergründig war
von JOHANNES MAGER

Unterschiedlicher können Gegensätze kaum sein: Alte Industrie und zeitgenössische Lyrik. Aber richtig kombiniert ergibt die Mischung ein sehr spezielles Flair. Auch diesmal war es dem Veranstalter der literarischen Abende in der Schelterhalle des Kuchenheimer Tuchmuseums wieder gelungen, diese besondere Atmosphäre zu schaffen. Unter dem Titel „Gespräch und Rezitation - Die Autorenrunde im Museum" trugen Hildegard Moos-Heindrichs und Ludwig Verbeek ihre Werke in der Dependence des Rheinischen Industriemuseums vor.Hildegard Moos-Heindrichs las in Euskirchen

Hans Bösch, Vorsitzender des Fördervereins des Tuchmuseums (Veranstalter des

Abends) freute sich besonders, dass unter den rund 50 Gästen alle Altersgruppen vertreten waren. Moderiert und inszeniert wurde der Abend von Manfred Lang. Zunächst leitete er das Wort Lyrik her. Es kommt vom griechischen Lyra, zu deutsch Leiher. „Aber heruntergeleiert werden die Gedichte heute Abend nicht", versprach er. Lyrik sei im Gegensatz zur Prosa dichter in der Ausdruckskraft und immer ein Kommentieren.

Er stellte Hildegard MoosHeindrichs als lyrisch-satirisch vor. Im ersten Teil rezitierte sie, passend zur Umgebung, über die Themen Weben und leben" und „Nadel und Faden", und trug „Knopfgedichte" vor. Ihre Kurzgedichte sind teils heiter, teils nachdenklich und durchaus kritisch. Sie stellt

sich etwa vor, wie es wäre, „wenn ich wünschen könnte". Aber sie sei stabil, fast ein Fossil. Heiter hingegen das Gedicht „Ich kriege die Motten", in dem sie sich freut, dass in die abgelegte Kleidung ihrer bereits aus dem Haus gezogenen Kinder mit Mottenkindern wieder neues Leben kommt.
Ludwig Verbeek stammt aus Bonn. Der „provozierend-kritische" Dichter, so Lang, wurde sogar schon als „Orpheus von Bonn" betitelt. Auch vor seinen Rezitationen macht die Fußball-WM nicht halt. Doch machte er nicht viele Worte darum.  Sein Gedicht „Fußball einsilbig" bestand nur aus wenigen einsilbigen Worten und vermittelte doch die Spannung eines ganzen Fußballspiels. Tiefgründig hingegen das doppeldeutige Gedicht „Golf(d)strom".


Der Generalanzeiger Bonn vom 29.04.2006:
"Lesung: Wölfinnen, Hornissen, Wellensittiche und mehr
Von Karsten W.N. Kurze
Im letzten Jahr veranstaltete eine Gruppe Bonner Autoren des Verbandes Deutscher Schriftsteller NRW Süd im Botanischen Gartens der Universität einen literarischen Abend mit dem Titel "Alle meine Gärten".
Zehn Monate später fand nun die Lesung "Alle meine Tiere" in ähnlich passender Umgebung statt, im Museum Koenig. Die präparierten Tiere mussten zwar draußen bleiben, im Hörsaal 1 konnten aber zehn Autoren mit ihrer Literatur Tiere lebendig werden lassen.
Acht von ihnen hatten Texte über Geschehnisse aus und um die Tierwelt mitgebracht. Wolfgang Kubin, Vorsitzender des Verbandes, moderierte den Abend, und zum Abschluss zeigte, wie damals im Mittelmeerhaus, Jürgen Alt alias Menon der Magier, seine Zaubertricks.
Den Abend eröffnete Doris Distelmaier-Haas mit ihrer Geschichte von der "Wölfin", ein spannender Text, unter dessen Raffung aufzehn Minuten leider der mitreißende Effekt etwas litt.
Ludwig Verbeek setzte mit einer tiefgründigen, an den Schöpfer gerichteten Sinnfrage nach, der er etwas pompöse Lyrik folgen ließ. Vor allem sein neues Gedicht "Das Wrack" konnte begeistern.
Ulrich Bergmann lieferte in seiner Geschichte "Hornissen" stechend makabere Satire, Eje Winter ließ mit ihren Gedichten in wenigen Worten viel Wahrheit entstehen.
Hildegard Moos-Heindrichs erzählte in einem schönen, aber unglücklich strukturierten Text vom Tod ihres Wellensittichs, und Friederike Wappenschmidt legte eindrucksvoll Recherchiertes und Unterhaltsames über Haustiere in der Geschichte der Philosophie, Kunst und Adelshäuser dar.
Die zwei jüngsten Zugänge des Verbandes, Lili Stollowsky und Peggy Wehmeier, stachen durch ihre humorvollen Geschichten hervor.
Erstere, indem sie in der Rolle eines Kindes die Tiere in Zoo und Museum mit einer rührenden Mischung aus Naivität und Fantasie betrachtet, letztere mit der frechen Aufzeichnung eines fiktiven Telefongesprächs, dessen Pointe man leider zu früh erahnt.
Kubin bemühte sich um eine ausgewogene Moderation, wobei ihm sein Unwissen über die geplanten Texte nicht hilfreich war. Aber über die Autoren wusste er Bescheid. So erfuhr das Publikum auch, welches das Lieblingstier eines jeden Vortragenden war."
Der Kölner Stadtanzeiger in seiner Regionalausgabe Euskirchen am 27.04.2006:
" Kosmos der Kontaktanzeigen
Literarischer Brunch mit drei Autorinnen in der Stadtbibliothek
Die gelernte Hebamme Lili Stollowsky las aus ihrem unveröffentlichten Buch "Kostbare grünbraunblau gesprenkelte Sterne".
VON THOMAS SCHMITZ
Den Welttag des Buches nahm die Stadtbibliothek Euskirchen jetzt zum Anlass, in Kooperation mit der Buchhandlung Rotgeri einen literarischen Brunch zu veranstalten. Drei Bonner Autorinnen trugen in den Räumen der Bücherei ihre heiteren Geschichten vor. Für das leibliche Wohl war ebenfalls bestens gesorgt: Zwischendurch boten die Mitarbeiterinnen der Bibliothek den Gästen Kanapees und Sekt an.
Doch bevor sich die erste Autorin, Peggy Wehmeier, an den bereitgestellten Tisch setzte, gehörte die Aufmerksamkeit einem 15-jährigen Schüler der Euskirchener Musikschule. Yuval Dvoran begleitete die Veranstaltung mit virtuosem Gitarrenspiel. Zu Gehör brachte er unter anderem Johann Sebastian Bachs "Bourée" aus der "Lautensuite in e-Moll" und Domenico Scarlattis "Sonata K 483 in A-Dur".
Die Journalistin Peggy Wehmeier, die mit tiefer, rauchiger Stimme aus ihrem Werk "Das alte Buch Mamsell" vortrug, hatte ungewöhnliche Lektoren. "Immer wieder las ich die Geschichte Kindern vor, die mich dann zu neuen Ideen inspiriert haben", erklärte sie den etwas mehr als 30 Besuchern.
Offen und ehrlich gab sie zu, dass sie bei ihren eigenen Kindern die Lust am Lesen vermisse: "Die sitzen lieber vor dem Computer."
In ihrer Geschichte geht es um das Leben eines Buches - von der ursprünglichen Idee, die im Kopf des Autors reift, bis zu dem Zeitpunkt, in dem das Druckwerk schließlich im Antiquariat landet.
Bisher unveröffentlicht ist das Buch "Kostbare grünbraunblau gesprenkelte Sterne". Das "poetische Anatomie-Buch", das aus der Feder von Lili Stollowsky stammt, wird erst Ende Mai veröffentlicht. Die Autorin, eine gelernte Hebamme las jetzt einige Passagen aus der fantastischen Geschichte.
Dritte Schriftstellerin im Bunde war Sylvia Hofmann. Die gebürtige Oberfränkin, die Mitglied im Radioteam des "Nibelungenfunks Mehlem" ist, las aus dem Buch "Wo bist Du? - Auf der Suche nach dem Glück". Darin beleuchtet sie in 16 heiteren Geschichten ein ganz besonderes Abenteuer: den Kosmos der Kontaktanzeigen aus der Sicht einer Frau."
Die Kölnische Rundschau schrieb am 25.04.2006:
Welttag des Buches
"Buchlesungen, Musikvorträge, leckere Häppchen und das eine oder andere Gläschen Sekt: Mit einem "Literarischen Brunch" anlässlich des Welttages des Buches beschritten die Euskirchener Stadtbibliothek und die Buchhandlung Rotgeri neue Wege.
Den literarischen Part gestalteten drei im Bonner Raum lebende Autorinnen: Sylvia Hofmann, Lili Stollowsky und Peggy Wehmeier. Sylvia Hofmann, die den "Reiseratgeber USA" verfasste und Autorin des Radio-Teams des Mehlemer Nibelungenfunks ist, las aus "Wo bist Du?", einem 16 heitere Geschichten umfassendes Buch, dem zu entnehmen ist, was Frau durch Kontaktanzeigen alles erleben kann. Dem bislang noch nicht veröffentlichten Buch "Kostbare grünbraunblau gesprenkelte Sterne" entnahm Lili Stollowsky ihre Lesebeiträge.
Sie selbst, ausgebildete Hebamme und seit einigen Wochen Großmutter, schrieb ein "Baby Lexikon", Sachbücher und heitere Geschichten. Über Erfahrungen als Moderatorin, Laudatorin und Vortragsrednerin verfügend, konzipiert die Journalistin Peggy Wehmeier TV- und Videoproduktionen. Für den Brunch wählte sie "Das alte Buch Mamsell", das den "Lebenslauf" eines Buches von der Idee des Verfassers bis hin zum Antiquariat schildert.
Mit Kompositionen von Weiss und Bach leitete Yuval Dvoran seine musikalische Begleitung des Brunches ein. In dessen Verlauf der 15-jährige Musikschüler auf der Gitarre Werke von Scarlatti, Sanz sowie Cano und nach der Pause mit Musik von Fernando Sor, Kaspar Joseph Mertz und Mauro Giuliani zu Gehör brachte. Die Pause nutzten die mehr als 30 Stadtbibliothek-Besucher, um sich mit Sekt und Kanapees für den zweiten Teil der Veranstaltung zu stärken. (vgt)"